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Lastenhandhabungsverordnung – GRENzwerte beim heben

Heben und Tragen bis 3 kg ist in der Regel unbedenklich. Das ist in der Tat ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass Babys schon mit etwas mehr als diesem Gewicht auf die Welt kommen. Maximalwerte sind bisher gesetzlich überhaupt nicht geregelt. Wichtig ist dabei immer die Einschätzung der Gesamtsituation. Denn bei der Beanspruchung des Muskel-Skelett-Systems sind auch Dauer, Häufigkeit, Körperhaltung, Ausführungsbedingung und Lastgewicht entscheidend.

Grundsätzlich als Risiko gilt:

Für Männer: Lasten, die schwerer als 40 kg sind.

Für Frauen: Lasten, die schwerer als 25 kg sind.

 

Für folgende Personengruppen gelten gesetzlich festgelegte Regelungen:

Werdende Mütter: Hier sind Höchstgewichte im § 11 Abs. 2 Mutterschutzgesetz (MuSchG) festgelegt. Lastgewichte dürfen bei seltenem Heben und Tragen 10 kg und beim wiederholten Heben und Tragen 5 kg nicht überschreiten.

Jugendliche: Heranwachsende dürfen nach § 22 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) grundsätzlich nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, die ihre physische oder psychische Leistungsfähigkeit übersteigen.

 

EMPFOHLENE GRENZHUBLAST BEI GELEGENTLICHEM HEBEN UND TRAGEN:

LEBENSALTER

FRAU

MANN

15 bis 18 Jahre

15 kg

35 kg

19 bis 45 Jahre

15 kg

55 kg

über 45 Jahre

15 kg

45 kg

 

EMPFOHLENE GRENZHUBLAST BEI HÄUFIGEM HEBEN UND TRAGEN:

LEBENSALTER

FRAU

MANN

15 bis 18 Jahre

10 kg

20 kg

19 bis 45 Jahre

10 kg

30 kg

über 45 Jahre

10 kg

25 kg

 

Welche Folgen kann ein Heben ohne Berücksichtigung der Lastenhandhabungsverordnung haben?

Das Nichteinhalten der Lastenhandhabungsverordnung kann sich neben den körperlichen Folgen für die Beschäftigten auch auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Unternehmen auswirken.

Nur wenn Rückenbeschwerden frühzeitig erkannt werden, können sie wirksam behandelt werden. Wenn aber die Belastung zur Dauerbelastung wird, wird daraus schnell eine chronische Krankheit, die zur Berufskrankheit oder sogar zu einer Berufsunfähigkeit führen kann.

Das Tragen schwerer Gegenstände, ständiges Bücken oder belastendes Übergewicht – das und noch vieles mehr kann Ursache für Beschwerden im Rücken sein. Seit 2007 stieg die Zahl der stationären Behandlungen in Deutschland um 80 Prozent und erreichte 2016 einen Höchststand (DAK Gesundheitsreport 2018, Seite 134).

Für Unternehmen wie auch für die soziale Gemeinschaft entstehen dabei enorme Kosten: Produktionsausfall, Kosten für die medizinische Versorgung und Heilung. Wer gesunde Mitarbeiter will, dem sollte die Einhaltung der Fürsorgepflicht im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes besonders am Herzen liegen. Denn Unternehmen mit ergonomischen Arbeitsplätzen arbeiten erfolgreicher, effizienter und verzeichnen bedeutend weniger Krankmeldungen.