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Checkliste fürs Unternehmen: Wie lassen sich Muskel- und Skeletterkrankungen vermeiden?

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat 2020 eine Kampagne zur Vermeidung von Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) ins Leben gerufen: „Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich“. Hovmand ist stolzer Kampagnenpartner der EU-OSHA. Dies nehmen wir zum Anlass, Unternehmen eine konkrete Checkliste an die Hand zu geben: Wie lassen sich Muskel- und Skeletterkrankungen vermeiden?

Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) sind für die meisten arbeitsbedingten Gesundheitsprobleme in Europa verantwortlich. Das gilt laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle über Arthrose des Kniegelenks bis zu chronischen Druckschädigungen des Handgelenks. Hovmand entwickelt und fertigt seit fast 50 Jahren Hebehilfen für das produzierende Gewerbe, die Logistik, den Einzelhandel, Büros und Bibliotheken. Deshalb sind wir tagtäglich mit Menschen in Kontakt, die sich über die Vermeidung von MSE Gedanken machen. Unsere Hebehilfen gehören zu den Vorrichtungen, die das manuelle Heben schwerer Lasten im Berufsalltag überflüssig machen und gleichzeitig einen effizienten Arbeitsprozess sichern. Deshalb wissen wir auch, dass der Weg zu geringen körperlichen Belastungen bei der Arbeit noch weit ist. Bereits in unserem Blogbeitrag über die maximalen Lasten, die ein Mitarbeiter heben darf, haben wir auf die über 5.000 jährlichen Fälle von Berufskrankheiten wegen MSE verwiesen. Viele Unternehmen sind auf kompetente Mitarbeiter, deren Wissen, Können und Muskelkraft angewiesen. Wie sie Muskel- und Skeletterkrankungen besser vermeiden können, haben wir für Sie in einer Checkliste zusammengefasst.

 

Gefährdungsbeurteilung: Machen Sie sich zunächst ein Bild von Ihrem Risikoprofil

Checkliste fürs Unternehmen_Wie lassen sich Muskel- und Skeletterkrankungen vermeiden

Die Gefährdungsbeurteilung ist wie in vielen Zusammenhängen der Arbeitssicherheit das A und O der Vorbeugung von MSE. Sind die Gefährdungsbeurteilungen in Ihrem Betrieb auf dem neuesten Stand? Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz fasst zusammen, welche Faktoren das Auftreten von MSE besonders begünstigen. Die folgenden Fragen können Ihnen helfen, die eigene Situation aus einer neuen Perspektive einzuschätzen. Die Elemente, die Sie in Ihrem Unternehmen wiedererkennen, stellen einen Ausgangspunkt für näheres Hinschauen dar.

 

Welcher Art körperlicher Tätigkeiten sind Ihre Mitarbeiter ausgesetzt?

  • Schwere körperliche Arbeit
  • Schweres Heben
  • Wiederholte Bewegungen
  • Ungünstige Positionen
  • Andauernde Arbeitsaufgaben
  • Dauerndes Sitzen oder Stehen
  • Arbeitsaufgaben, die immer wieder oder mit großer Präzision ausgeführt werden müssen

Unter welchen Bedingungen arbeiten Ihre Mitarbeiter?

  • Lange Arbeitszeiten
  • Seltene Gelegenheiten, um Pausen zu machen
  • Hohes Tempo bei den Arbeitsaufgaben
  • Mangelnde Abwechslung
  • Fehlende Kontrolle über das Tempo der Arbeitsaufgaben (z.B. Fließbandarbeit)
  • Geringe Unterstützung durch Kollegen oder Führungskräfte
  • Ungenaue, widersprüchliche Rollenverteilung

Gehören Ihre Beschäftigten zu den folgenden besonders gefährdeten Gruppen in Bezug auf…?

  • Alter
  • Geschlecht
  • Größe
  • Armlänge
  • Gesundheitszustand und ggf. frühere MSE-Vorfälle
  • Einarbeitung und Wissen in Bezug auf Arbeitsmethoden und Sicherheitsanweisungen

Checkliste zur Vermeidung von Muskel-Skeletterkrankungen in Ihrem Unternehmen

Grundsätzlich empfiehlt die EU-OSHA, folgende Prinzipien für die Prävention von MSE-bedingten Krankheitsfällen anzuwenden:

  1. Risiken vermeiden. Können Sie bedenkliche oder belastende Arbeitsschritte, die Sie in der Gefährdungsbeurteilung ermittelt haben, aus Ihrem Ablauf entfernen?
  2. Risiken an ihrem Ursprung bekämpfen. Wenn Sie manuelles schweres Heben überflüssig machen können, eliminieren Sie die Gefahr für MSE in diesem Zusammenhang gänzlich.
  3. Raum für individuelle Anpassung schaffen. Genug Platz, um Bewegungen auszuführen, höhenverstellbare Arbeitsgeräte, Stühle und Schreibtische oder Arbeitsbänke erlauben dem Einzelnen, die persönlichen Arbeitsbedingungen zu verbessern.
  4. Beim technischen Fortschritt auf dem neuesten Stand bleiben und aktuelle Hilfsmittel verwenden. Stellen Sie Ihren Beschäftigten beispielsweise Hebehilfen für die Materialhandhabung zur Verfügung.
  5. Riskante Werkzeuge, schädigende Positionen – Arbeitsplätze durch sichere oder weniger riskante ersetzen. Können Sie beim Bewegen von schweren Lasten körperliche Arbeit durch mechanische ersetzen?
  6. Eine übergeordnete Richtlinie erstellen, die Technologie, Organisation, Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und das Arbeitsumfeld umfassen. Zeigen Sie Ihrer Belegschaft, dass auch die Geschäftsführung hinter den Maßnahmen zum Gesundheitsschutz steht.
  7. Allgemeingültige Maßnahmen zuerst implementieren. Wenn Ihre Transportwagen Anti-Rutsch-Griffe haben, muss nicht jeder einzelne Mitarbeiter entsprechende Handschuhe tragen.
  8. Durchdachte Arbeitsanweisungen und Schulungen zur Verfügung stellen.

Die Geschäftsleitung und die entsprechenden Führungskräfte sind grundsätzlich für die Ausführung der beschlossenen Maßnahmen verantwortlich. Zahlreiche belegte Konzepte empfehlen außerdem nachdrücklich, auch die Beschäftigten mit ihren starken Ressourcen in die Präventionsarbeit einzubeziehen.

 

Gezielte Prävention funktioniert mit aktiver Beteiligung der Mitarbeiter am besten

Die Europäische Agentur für Arbeitsschutz argumentiert dafür, die Beschäftigten in hohem Grad in die Vorbeugung von Erkrankungen, die Ergonomie am Arbeitsplatz und menschenfreundliche Prozesse, Umgebungen und Systeme einzubeziehen. Warum? Wenn Beschäftigte an der Verbesserung ihrer ergonomischen Bedingungen teilnehmen, hat das folgende Vorteile:

  • Sie bringen detailliertes Fachwissen über den Arbeitsplatz mit in die Überlegungen ein
  • Sie haben ein hervorragendes Verständnis dafür, dass und wie die Arbeit ergonomisch und gleichzeitig effizient ausgeführt werden kann
  • Wenn Beschäftigte bereits an der Ausarbeitung von sie betreffenden Lösungen beteiligt sind, lassen diese sich oft schneller und problemloser implementieren

Dabei kann die Form dieser Beteiligung in jedem Unternehmen und bei jedem Projekt unterschiedlich aussehen. Während für manche Projekte Inputsammlungen in Form von Workshops sinnvoll sind, profitieren andere von Experimenten in der Praxis, bei denen Verbesserungsverschläge in kleinem Rahmen von den Beschäftigten ausprobiert werden. Größere Änderungen verlangen eventuell nach strukturiertem Feedback aus umfangreicheren Versuchen. Unabhängig von der Form der Einbeziehung ist, dass die Ideen, Erfahrungen und Rückmeldungen von Mitarbeitern ernst genommen werden müssen. Sollte sich eine Idee als ungeeignet erweisen, ist es sinnvoll, deren Ablehnung zu begründen. Damit sorgen Sie dafür, dass alle weiterhin Ihr Projekt unterstützen. Schließlich bringen auch Maßnahmen zur Vermeidung von MSE Veränderungen mit sich, die auf Widerstand treffen können.

 

Frühzeitiges Erkennen von MSE kann chronische Erkrankungen verhindern

Auch in dem unglücklichen Fall, dass bereits eine Muskel- und Skelettkrankheit aufgetreten ist, können Sie als Arbeitgeber noch einen großen Beitrag leisten. Chronische Krankheitsverläufe können umso besser vermieden werden, je früher sie auffallen. Machen Sie deshalb Ihren Beschäftigten bewusst, worauf sie bei sich und anderen achten sollen, um MSE frühzeitig zu erkennen.

Bei Muskel- und Skeletterkrankungen werden unterschiedliche Teile des Körpers überbelastet oder geschädigt. Das kann Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bänder, Nerven oder Knochen betreffen. Wenn solche Schädigungen aufgetreten sind, kann es zu folgenden körperlichen Symptomen kommen:

  • Schmerzen
  • Taubheitsgefühl in Gliedmaßen
  • Kribbeln in Fingern oder Füßen
  • Schwellungen

Eine umfassende Untersuchung der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz stellt fest, dass 43 Prozent der Betroffenen Schmerzen am Rücken empfinden, 41 Prozent an Armen sowie Schultern und 29 Prozent an Beinen und Füßen. Darüber hinaus können je nach Art der Belastung Nacken, Ellenbogen, Hände und Knien betroffen sein. Bereits ein ungewohntes Kribbeln in der Hand oder ein tauber Fuß können erste Anzeichen für eine Muskel- und Skeletterkrankung sein. Wenn Sie solche Indikationen konsequent ernst nehmen, können Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter maßgeblich vor schweren Folgen schützen.

 

Kampagnenpartner der Initiative ”Gesunde Arbeitsplätze“

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Für Hovmand ist das Engagement in Kampagnen wie „Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich!“ Ehrensache. Wie zahlreiche andere Industrieunternehmen, öffentliche und Forschungseinrichtungen sowie Arbeitgeber- und Interessenverbände wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, die Aufmerksamkeit der Arbeitgeber, Beschäftigten und der Gesellschaft auf das weit verbreitete Gesundheitsproblem MSE zu lenken. Gehen auch Sie mit gutem Beispiel voran und gestalten Sie Ihre Arbeitsplätze etwas gesünder. Wir helfen Ihnen gern dabei.

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